Insoric Leistungsmessung – Vorgehen, Beispiele, Vorteile

Insoric Leistungsmessung – Vorgehen, Beispiele, Vorteile

Hallo zusammen,

an dieser Stelle möchte ich euch heute die Leistungsmessung mit Hilfe des Insoric RealPower Systems vorstellen. Wir verfügen bereits seit einigen Wochen über den mobilen Leistungsprüfstand, sind mit der Anwendung mittlerweile vertraut und absolut überzeugt von dieser Art der Leistungsmessung.

Vorab möchte ich kurz klarstellen, dass es hier nicht darum geht, einen Wettbewerb zwischen herkömmlichen Rollenprüfständen und dem Insoric System auszutragen. Beide Arten der Leistungsmessung haben ihre Daseinsberechtigung, das Insoric Verfahren ist aus bestimmten Gründen für unsere Anwendung allerdings vorteilhafter, worauf ich im Folgenden eingehe.

Grundsätzlich können wir mit unserem Insoric Set die folgenden Daten erheben:

  • Radleistung (kW, PS)
  • Motorleistung (kW, PS)
  • Geschwindigkeit
  • maximales Drehmoment (Nm)
  • Beschleunigung in Hundertstelsekunden (0-100, 0-200, 0-300 km/h, Viertelmeile, variable Bereiche)

Zum Lieferumfang gehörten neben dem Messmodul und der Software ein Barometer, ein Thermometer, eine Radmesseinrichtung und zwei flache Rad-/Achslastwaagen. Damit können alle benötigten Daten schnell selbst erhoben werden, sodass die einzige fehlende Grundvoraussetzung eine geeignete Strecke ist. Die Voraussetzung für eine solche Strecke ist natürlich zuallererst, dass die zu fahrende Geschwindigkeit innerhalb der vorgegebenen Richtlinien liegt. Außerdem sollte die Strecke möglichst verkehrsarm sowie ohne Steigung bzw. Gefälle sein.

Die eigentliche Leistungsmessung läuft dann in drei übergeordneten Schritten ab:

  • Vorbereitung der Messung
  • Durchführung der Messung
  • Auswertung der Messung

Vorbereitung der Messung

Zur Vorbereitung der Messung gehört zuerst die Installation der Software auf dem Computer sowie das Aufladen des RealPower Moduls. Anschließend wiegen wir vor der Messung das Auto leer mit Hilfe der beiden Wagen. Dies erfolgt in zwei Schritten, da sowohl Vorder- als auch Hinterachse gewogen werden müssen. Dazu muss im zweiten Schritt das Gewicht des Fahrers und des eventuellen Beifahrers addiert werden. Auch der Raddurchmesser kann an dieser Stelle bereits gemessen werden. Wenn wir nach kurzer Fahrt an der Teststrecke angekommen sind, messen wir vor Ort den absoluten Luftdruck und die Lufttemperatur. Nach der Befestigung des RealPower Moduls mit einem Powerstrip auf dem Felgendeckel kann die Messung losgehen.

Durchführung der Messung

Zunächst muss festgelegt werden, in welchem Gang die Messung gefahren wird. Maßgeblich ist dafür unter anderem die Strecke, die zur Verfügung steht. Idealerweise könnte man jedes Auto im 4. Gang messen, allerdings ist unsere Messstrecke dafür teilweise nicht lang genug, wenn es sich um Autos handelt, die zu wenig Leistung haben. Unseren Golf 7 GTI Performance haben wir beispielsweise im 3. Gang messen müssen, da wir im 4. Gang auf der Strecke nicht bis in den Drehzahlbegrenzer kamen. Allerdings ist der 3. Gang vom 7er GTI Performance lang übersetzt, sodass es möglich ist, dieses Fahrzeug auch im 3. Gang zu messen. Der Golf 7 R hingegen hat einen kurz übersetzten 3. Gang, weshalb er im 4. Gang gemessen werden muss. Dies war aufgrund der höheren Leistung allerdings auch wieder mit unserer Strecke vereinbar! Auf einem Rollenprüfstand wird im übrigen in dem Gang gemessen, der am ehesten 1:1 übersetzt ist, was häufig der 5. oder der 6. Gang ist. Dies muss aufgrund der Berechnungsmethode beim Insoric System allerdings nicht der Fall sein.

Wenn klar ist, in welchem Gang die Messung stattfindet, muss im Endeffekt nur noch bis in den Drehzahlbegrenzer beschleunigt und anschließend ausgekuppelt werden. Danach braucht man eine Ausrollphase von mindestens 30 km/h. Das bedeutet, dass ein Auto was bei 160 km/h im Drehzahlbegrenzer ist, bis mindestens 130 km/h ausrollen muss, ohne dass die Bremse betätigt wird.

Auswertung der Messung

Die Auswertung der Messung erfolgt mit Hilfe der mitgelieferten Software von Insoric. Man trägt Marke, Modell und Kennzeichen ein, um das Messauto wiederzuerkennen. Außerdem müssen die Fahrzeugdetails wie Motortyp (Benzin, Benzin Turbo, Diesel, Turbo Diesel), Fahrzeugtyp (Normal, Sport, Gelände), Schaltung (Handschaltung, Automatik, DSG) und Antrieb (Vorderachse, Hinterachse, 4WD ab 2005, 4WD bis 2004, Haldex) eingetragen werden. Letztlich werden die bereits ermittelten Infos zu Raddurchmesser, Gewicht, Luftdruck, Lufttemperatur und Motor:Rad Übersetzung eingetragen. Die Motor:Rad Übersetzung ergibt sich aus der Getriebeübersetzung des jeweiligen Gangs und der Achsübersetzung.

Anschließend kann auf die ermittelten Daten der Testfahrten zurückgegriffen werden. Dabei müssen sowohl der Beschleunigungs-, als auch der Rollbereich markiert werden, sodass vom System automatisch das maximale Motordrehmoment und die maximale Rad- bzw. Motorleistung ermittelt wird. Das Benutzerinterface sieht folgendermaßen aus:

Insoric Leistungsmessung Auswertung
Insoric Leistungsmessung Auswertung

Natürlich war auch für uns am Anfang besonders interessant, ob die Insoric Leistungsmessung gleiche oder zumindest sehr ähnliche Ergebnisse liefert, wie sie unsere Kunden auf Rollenprüfständen von umliegenden Tunern erhalten. Zwar hatten wir uns im Vorfeld informiert und auch von dem Insoric Team jede Menge Daten zur Verfügung gestellt bekommen. Insoric selbst hat anhand von sechs Autos (Nissan Micra 1.2 DIG-S = 113 PS; Mazda 3 MPS = 312 PS; BMW 135i = 460 PS; Subaru STI = 325 PS; Golf 7 TDI = 150 PS; Opel Astra CDTI = 125 PS; Seat Leon Cupra R = 265 PS) in verschiedenen Leistungsbereichen auf unterschiedlichen Rollenprüfständen zwei Dinge klar aufgezeigt:

1) Die gemessen Daten des Insoric Systems liegen extrem nah bei denen, die auf dem jeweiligen Rollenprüfstand gemessen wurden.

2) Auch bei mehrmaligen Tests mit dem Insoric System kamen fast exakt gleiche Werte heraus, sodass eine Reproduzierbarkeit gegeben ist.

Dennoch waren wir – wie viele andere auch – anfangs skeptisch und haben mittlerweile selbst einige Messungen durchgeführt. Davon hatten wir in den letzten Wochen tatsächlich auch mal ein Messbeispiel, bei welchem kurz nach unserer Messung das gleiche Auto im selben Setup auch auf einem Rollenprüfstand stand.

Es handelt sich dabei um einen Audi S3 8V, welcher bei uns ein Eventuri Ansaugsystem sowie ein BMS JB4 gekauft hat. Serienmäßig wird das Fahrzeug mit 300 PS und 380 Nm angegeben. Auf Map6 konnten wir den S3 mit 364,8 PS und 503,1 Nm messen. Einige Tage später hatte der Kunde zufällig die Chance sein Auto nochmals auf einem Rollenprüfstand messen zu lassen. Dieser spuckte als Ergebnis 372,7 PS und 491 Nm aus, was sehr nah bei der von uns durchgeführten Insoric Messung liegt. Dabei ist zu beachten, dass wir die Messung nach EWG korrigiert haben, was in Deutschland die Standardnorm ist, die auch von jeglichen Automobilherstellern hierzulande angewendet wird. Demgegenüber wurde der Rollenprüfstandslauf nach DIN korrigiert, was eher unüblich ist, da man eigentlich grundsätzlich höhere Werte bei der Leistung erzielt.

Grundsätzlich zeigen all diese Beispiele auf, dass die Messergebnisse des Insoric Systems absolut vergleichbar mit denen eines Rollenprüfstands und zugleich auch reproduzierbar sind. Für unsere Anwendung liefert das Insoric System vor allem einen entscheidenden Vorteil. Die Messung findet unter realen Bedingungen statt, was insbesondere für die von uns vertriebenen Produkte ein erheblicher Mehrwert ist. Wie einige von euch vermutlich wissen, vertreiben wir neben Carbon Exterieur mittlerweile auch Eventuri Ansaugsysteme aus England und Burger Motorsports JB4 Steuergeräte aus Amerika. Gerade für die Messung der Ansaugsysteme ist es von großer Bedeutung, dass der Motor kalten Fahrtwind zur Verfügung gestellt bekommt, da dies die Grundvoraussetzung für die Funktionalität der Eventuri Systeme ist. Kaum ein Rollenprüfstand ist derart optimal belüftet und verfügt über eine adäquate Windturbine, um den Effekt von Fahrtwind bei 150 km/h nachzuempfinden.

Fragen oder sonstige Anmerkungen könnt ihr gerne in den Kommentaren loswerden. Anfragen für Leistungsmessungen eurer Autos schickt ihr bitte per Email an Malte (ms@cf-dynamics.de).

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

Jannis

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